WEBWiKo
WEBWiKo
Kommunen erproben flexible Planungsinstrumente für gemeinsame Regionalentwicklung
„WEBWiKo“ macht kommunale Planung flexibel, nachhaltig und kooperativ. Gemeinsam mit fünf Kommunen im Bremer Raum entwickeln Wissenschaftler aus Stadtentwicklung und Informatik ein Tool, das verlässliche Prognosen für Bevölkerungswandel, Wohnraum und soziale Infrastruktur ermöglicht. Es ist der Grundstein für gemeinsame Planungen.

Ein interaktives Planungswerkzeug
Der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen, dem 28 Städte, Gemeinden und Landkreise angehören, ist eine Institution für die kooperative Regionalentwicklung im Großraum Bremen. Er strebt verbindliche interkommunale Kooperationen im Verflechtungsgebiet der Region an. Fünf seiner Mitglieds-Kommunen und -Landkreise wollen als Pilot-Kommunen die Grundlagen für eine künftig effizientere gemeinsame Planung und Entwicklung legen. Ihr Werkzeug: Ein interaktives Planungstool, mit dem sich die Auswirkung des demografischen Wandels auf Wohnungsmarkt, soziale Infrastruktur und Siedlungsflächen simulieren und kalkulieren lassen. Im Projekt „WEBWiKo“ entwerfen Stadt- und Regionalentwickler und Informatiker von Oldenburger und Dortmunder Forschungseinrichtungen dieses Tool. Seine praktische Anwendung erfolgt in Reallaboren in den Kommunen.

Nebeneinander von Wachstum und Rückgang
Die beteiligten Kommunen liegen in den beiden benachbarten Bundesländern Bremen und Niedersachsen. Sie unterscheiden sich in Einwohnerzahl und Bevölkerungswandel – so soll eine Übertragbarkeit des Tools garantiert werden. Die Hansestadt Bremen selbst hat knapp 560.000 Einwohner, mit leichtem Bevölkerungszuwachs. Als Großstadt ist sie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region. Unmittelbar südlich von Bremen liegt die Gemeinde Ganderkesee mit Bevölkerungszuwachs in den zentralen Gebieten und -abwanderung in den Randregionen. Im Landkreis Oldenburg mit rund 115.000 Einwohnern und im Landkreis Osterholz mit 130.000 Einwohnern gibt es Gebiete mit Wachstum und mit Rückgang der Bevölkerung. Die kreisfreie Stadt Delmenhorst mit rund 78.000 Einwohnern, direkt an Bremen grenzend, verzeichnet leichtes Bevölkerungswachstum.

Für diese unterschiedlichen demografischen Realitäten erstellen die Forschungspartner das Planungstool, mit dem insbesondere auch kleinräumige und flexible Bevölkerungsprognosen möglich sind. Die beteiligten Wissenschaftler bringen unterschiedliche Expertise in die Zusammenarbeit ein: Die Wissenschaftler des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund erforschen die künftige Entwicklung von Städten in interregionalen und internationalen Zusammenhängen. Das Oldenburger OFFIS-Institut für Information erforscht neue Formen der Informationsverarbeitung. Das Oldenburger Unternehmen regio GmbH entwickelt internetbasierte Informationssysteme. Ein weiterer Projektpartner, das Statistische Landesamt Bremen, verantwortet Analyse und Aufbau der Dateninfrastruktur.

Tests in Reallaboren
Im Projekt „WEBWiKo“ entwickeln die Partner unter Federführung des Kommunalverbundes Niedersachsen/Bremen ihr Planungstool in drei Schritten. Zunächst bauen sie eine gemeinsame Dateninfrastruktur auf. Sie besteht aus einer umfangreichen und validen Basis kleinräumiger statistischer Bevölkerungsdaten. Die Projektpartner nutzen dafür Daten aus Quellen wie z. B. Einwohnermeldeämter, Gebäude und Wohnungszählung, Schulplanung. Zusätzlich greifen sie auf bereits bestehende Datensätze des Kommunalverbundes und des Statistische Landesamtes Bremen zurück. Die von „WEBWiKo“ aufbereiteten Daten werden in einer Cloud den Kommunen zentral zur Verfügung gestellt.

In einem zweiten Schritt erfolgt das Erstellen von Prognose und Szenario-Modellen. Mit diesen sind Modellierungen auf unterschiedlichen räumlichen Maßstabsebenen möglich. Daraus entwickeln die „WEBWiKo“-Partner schließlich das interaktive Tool, mit dem Planer Wirkungszusammenhänge zwischen demografischer, siedlungs- und infrastruktureller Entwicklung darstellen können. Parameter und Einflussfaktoren können dabei verändert werden. Eine Bildschirm-Applikation bereitet die Ergebnisse zusätzlich auf. Sie ermöglicht eine hochwertige tabellarische, grafische und kartographische Darstellung. Damit eignet sie sich u. a. für den Gebrauch in Beteiligungsverfahren.

In Reallaboren erfolgt schließlich der Praxistest: Alle beteiligten Kommunen erproben das Planungstool für konkrete Vorhaben, etwa für Kindertagesstätten- und Schulplanung oder Siedlungsflächenentwicklung und -ausweisung. Mit einem intensiven Monitoring begleiten die Regionalplaner und Informatiker die Reallabore. Mit den Erfahrungen aus der Praxisnutzung werden die Werkzeuge weiterentwickelt und erneut in den Kommunen zum Einsatz gebracht.

An Ende soll ein praxiserprobtes innovatives Planungsinstrument für Kommunen entstehen, das auch Städte und Gemeinden außerhalb des Kommunalverbundes Niedersachsen/Bremen nutzen können.