Die Chancen einer vielfältigen Gesellschaft vor Ort aktiv nutzen

Zuwanderung und eine gelingende Integration sind relevante gesellschaftspolitische Handlungsfelder und große Potenziale für die Zukunft schrumpfender Regionen. Die oftmals nur wenigen Unterstützungs- und Beratungsangebote für Zugewanderte und Migrant*innen in diesen Regionen bilden jedoch eine Hürde.
„Kommunen innovativ“ setzt Impulse, wie in einer vielfältigen Gesellschaft Zugänge zum Arbeitsmarkt und zu Ausbildungsmöglichkeiten in den Städten und Gemeinden geschaffen, gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe befördert und bedarfsgerechte Wohnungen bereitgestellt werden können.

Die demografische Entwicklung, rückläufige Bevölkerungszahlen in einigen Regionen und der damit verbundene Fachkräftemangel sowie eine vielfältigere Gesellschaft zeigen, dass Zuwanderung und eine gelingende Integration relevante gesellschaftspolitische Handlungsfelder in den Städten und Gemeinden sind und bleiben werden. Integration adressiert dabei sowohl Neuzuwanderer*innen als auch Migrant*innen, die bereits länger in den Kommunen leben.

Im Jahr 2015 kamen knapp 900.000 Geflüchtete in Deutschland an. Sie verließen ihre Herkunftsländer aufgrund von Krieg, Verfolgung oder aus wirtschaftlichen Gründen. Städte und Gemeinden konnten – mithilfe des umfassenden Engagements aus der Zivilgesellschaft und vieler ehrenamtlicher Helfer*innen – das „Ankommen“ – also die erste Unterbringung, den Zugang zu Sprachkursen, den Aufbau erster sozialer Kontakte – meistern. Heute rücken das „Bleiben“ in den Vordergrund und damit Fragen nach dauerhaften Perspektiven und Zugängen der Geflüchteten zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, zum freien Wohnungsmarkt sowie zu sozialen und kulturellen Angeboten und Einrichtungen.

Deutschland ist aber nicht erst seit 2015 ein Einwanderungsland. Migration prägt die Gesellschaft seit Jahrzenten, rund 20,8 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund leben hier. Migration und Integration sind somit keine neuen Themen. Die zentralen Aufgabenfelder einer gelingenden Integration sind bekannt: Spracherwerb, Zugang zu Bildungsangeboten, berufliche Qualifizierung, Arbeit und Begegnungen. Eine besondere Chance bietet sich Städten und Gemeinden in strukturschwächeren Regionen, die zudem mit den Folgen des demografischen Wandels umgehen müssen. Angesichts zurückgehender Bevölkerungszahlen und nicht mehr ausgelasteter kommunaler Einrichtungen könnten neu hinzuziehende Menschen ein wichtiges Signal für die Zukunft dieser Regionen sein. Die bislang nur wenigen spezifischen Unterstützungs- und Beratungsangebote für Zuwanderer*innen und Migrant*innen bilden jedoch im Alltag bzw. beim Ankommen an einem neuen Wohnort eine Hürde.

Die BMBF-Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“ befasste sich mit Ideen und Ansätzen für das Leben in einer vielfältigen Gesellschaft und den damit verknüpften Herausforderungen und Aufgaben. Untersucht wurde, wie die Integration von geflüchteten Menschen in ländlichen Regionen – und damit in auf den ersten Blick weniger attraktiven Standorten – gelingen kann. Im Themenfeld Abwanderung und Fachkräftemangel in ländlichen Regionen ging es um Ansätze, mit denen die Potenziale migrantischer Ökonomie stärker genutzt werden können.

Deutlich wurde, wie wichtig es ist, Austausch und Vernetzung unter den unterschiedlichen Akteuren vor Ort herzustellen und langfristig zu erhalten, die sich mit Aspekten der Integration befassen. In neu ins Leben gerufenen lokalen Bündnissen begegnen sich (teils zum ersten Mal) Vertreter*innen aus Kommunen, Wirtschaftsinstitutionen, Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen aber auch engagierte Bürger*innen und entwickeln gemeinsam übergreifende Ansätze zur Integration. In diesen Bündnissen entsteht ein umfassendes Wissen über die beteiligten Einrichtungen und deren Angebote und Zuständigkeiten. Das gibt Anstoß für einen zielgerichteten Informationsfluss, neue Kooperationsmöglichkeiten und die gemeinsame Umsetzung von Projektideen, z.B. für ein „Kulturtandem“, bei dem Zugewanderte und Einheimische zusammenkommen. Aufgezeigt wird in den Projekten auch der Bedarf an einer interkulturellen Öffnung und Erweiterung der interkulturellen Kompetenz innerhalb der Kommunalverwaltungen.

Ergebnisse & Lösungen

Institut für Technologie und Arbeit (ITA) (2020)
Dramaturgiebogen Ideenwerkstatt

Der Dramaturgiebogen dient als Vorlage zum Ablauf einer Ideenwerkstatt.

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Herausforderungen der Vernetzung neuer Partner
Lahner, Jörg / Metz, Sarah (2020)

Neue Netzwerke schaffen Verbindungen zwischen migrantischen Gründungsinteressierten und Beratungseinrichtungen der Wirtschaftsförderung. Bislang gab es kaum Kontakte zwischen Integrationseinrichtungen, Migrant*innenselbstorganisationen (MSO) sowie Gründungsberatungseinrichtungen.

Um eine bessere Vernetzung der Wirtschafts- und Integrationseinrichtungen sowie MSOs zu fördern, wurden im Projekt MIGOEK Vernetzungstreffen angestoßen und organisiert. Die Veranstaltungen wurden zum Teil gemeinsam mit Gründungsberater*innen dezentral in den Landkreisen durchgeführt.

Der Beitrag geht auf die Bedarfe der Akteursgruppen ein und stellt Umsetzungsmöglichkeiten für neue Netzwerke exemplarisch vor.

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Was ist Ihnen wichtig bei der Auswahl von Ihrem Wohnort?
IN²-Projektteam (2020)
Fragebogen

Dieser Fragebogen dient der Erhebung von Daten in den Kommunen. Es geht um die folgenden Fragen:
- Welche Dinge gehören für Sie zu einem guten Wohnort?
- Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Wohnort?
- Wo wollen Sie in Zukunft leben?

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Wie urbane Gärten durch Zusammenarbeit von verschiedenen Akteursgruppen entstehen können
Kemper, Denise / Tobisch, Carlos / Christenn, Katharina / Timpe, Axel (2020)

In Großstädten wächst die Anzahl sogenannter „Gemeinschaftsgärten“ stetig an. Gemeinschaftsgärten sind ein relativ neues Phänomen auf städtischen Grünflächen, die neben dem Anbau von Lebensmitteln vielfältige soziale wie auch ökologische Funktionen erfüllen. Über die gärtnerische Betätigung hinaus dienen sie Menschen als Orte der Begegnung, der Erholung und des Miteinanders. Als grüne Oasen im Stadtraum leisten sie klimatische Ausgleichsfunktionen und bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Gegründet und betrieben werden die urbanen Gärten insbesondere auf zivilgesellschaftliche Initiative. Einzelne Personen bzw. selbstorganisierte Gruppen eignen sich Stadtraum an und begrünen diesen im bottom-up-Prozess. Zunehmend erkennen auch Stadtverwaltungen sowie (Immobilien-)Unternehmen die Potentiale von Gemeinschaftsgärten für ihre Grundstücke. Insbesondere in sozial schwächeren Stadtvierteln werden urbane Gärten als Instrument zur sozialen Quartiersaufwertung geplant bzw. top-down initiiert.

Das Forschungsvorhaben „CoProGrün – Co-produzierte Grünzüge als nachhaltige kommunale Infrastruktur“ untersuchte, wie Zivilgesellschaft, Kommunen und Wirtschaft gemeinsam Grünflächen managen können. Der Artikel betrachtet im Speziellen, wie geeignete Flächen und potentielle Akteure für den Aufbau von Gemeinschaftsgärten gefunden werden können.

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Weiterbildung für Berater*innen
Thöle, Lukas / Wagner, Leonie (2020)

Bislang gibt es keine spezifisch auf die Gruppe der Gründungsberater*innen zugeschnittene Weiterbildung zu interkultureller Kompetenz und Öffnung. Insbesondere in ländlichen Räumen ist jedoch der Bedarf für interkulturelle Sensibilisierung besonders hoch, da es vielen Berater*innen aus verschiedenen Gründen an interkultureller Kompetenz fehlt. Das ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts MIGOEK der HAWK Holzminden|Hildesheim|Göttingen.

Als Reaktion darauf entwickelte MIGOEK den Workshop „Vielfalt in der Gründungsberatung“, der die Teilnehmenden bedarfsorientiert für Diversität sensibilisieren und über gute Beratung informieren soll. Auch über das Projektende (06/2020) hinaus soll der Workshop bestehen bleiben und über das Weiterbildungsangebot der HAWK gebucht werden können. Aus den Forschungsergebnissen lassen sich darüber hinaus weitere Bedarfe für spezifische Workshops ableiten.

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IN²-Projektteam (2020)
Checkliste Willkommenskultur

Mit der vorliegenden Checkliste können Sie die Willkommenskultur in Ihrer Kommunalverwaltung messen. Diese Selbsteinschätzung kann Ihnen helfen, den Reifegrad der Willkommenskultur zu erkennen. Gerne können Sie die Checkliste auch als Inspiration für die Weiterentwicklung dieser Kultur nutzen.

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Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung
Kaschlik, Anke / Lahner, Jörg / Rüzgar, Mehmet Fatih / Wagner, Leonie (2020)

Migrantische Gründungen besitzen ein großes Potenzial für ländliche Regionen: Menschen mit Migrationshintergrund gründen häufiger, schaffen dadurch Arbeitsplätze und sind damit ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume. Dieser Artikel beschreibt, warum dieses Potenzial aus Sicht des Projekts MIGOEK bisher kaum genutzt wird und welche Probleme daraus entstehen.

Um dieser Situation zu begegnen und migrantische Gründungen zu fördern, haben die Mitarbeiter*innen von MIGOEK verschiedene interdisziplinäre Lösungsansätze entwickelt und getestet. Dabei wurde auf Erkenntnisse der Regionalentwicklung, der Wirtschaftsförderung und der Sozialen Arbeit zurückgegriffen. Die entsprechenden Erfahrungen und Schlussfolgerungen des Projektes werden in diesem einführenden Beitrag ebenfalls überblicksartig skizziert.

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IN²-Projektteam (2020)
Interviewleitfaden Expert*innen

Zur Erhebung von Daten in den Kommunen können Interviews geführt werden. Dieser Interviewleitfaden soll Interessierten als Vorlage dienen, Expert*innen in den Kommunen zum Thema Integration von Zuwanderern zu befragen.

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Kümmerer – oder Dorfaktivierer, Dorfberater, Botschafter…
Andrea Soboth & Caroline Seibert (2020)
Qualifizierung Ehrenamtlicher in der Dorfentwicklung

In der Dorfentwicklung ist es schon lange kein Geheimnis mehr: Erfolgreiche Entwicklungsprozesse benötigen Menschen, die sich für ihr Dorf einsetzen, Initiativen und Projekte voranbringen und sich um die Belange ihres Lebensumfeldes kümmern. Um dieses Engagement wertzuschätzen und zu unterstützen, werden in den letzten Jahren in der ländlichen Entwicklung verstärkt Qualifizierungsmaßnahmen für sogenannte „Dorfkümmerer“ angeboten. Der Beitrag illustriert mit Praxisbeispielen verschiedene Modelle von Kümmerern und zeigt auf, wie Ehrenamtliche in der Dorfentwicklung weitergebildet und befähigt werden können, sich aktiv für die Entwicklung ihrer Kommunen einzusetzen.

Gleichermaßen gilt aber auch, dass Qualifizierungsmaßnahmen zur Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement hilfreich sind, der eigentliche Erfolg eines solchen Ansatzes aber in der Anwendung des erworbenen Wissens in der Dorfentwicklung liegt. Denn Ziel ist es ja, weitere Impulse vor Ort auszulösen. Damit darf nicht nur den Schulungsmodulen selbst Aufmerksamkeit gezollt werden, vielmehr gilt es, auch die anschließende Zeit, beispielsweise durch den Aufbau eines Netzwerkes, sinnvoll zu begleiten.

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Institut für Technologie und Arbeit (ITA) (2020)
Dramaturgiebogen Strategiegespräch

Der Dramaturgiebogen dient als Vorlage zum Ablauf eines Strategiegesprächs.

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Proaktiv und niedrigschwellig
Kaschlik, Anke / Yildiz, Julia (2020)

Als ein wesentliches Manko der Beratungsmöglichkeiten für (migrantische) Gründungsinteressierte hat sich in den untersuchten Landkreisen herausgestellt, dass es keine ausreichenden proaktiven Beratungsangebote oder Beratungsangebote für die Vorgründungsphase gibt. Zudem sind die vorhandenen Angebote weder bei Gründungswilligen noch bei Einrichtungen der Integrationsförderung oder den Migrant*innenorganisationen bekannt; entsprechend werden sie nicht genutzt und wertvolle Potenziale gehen verloren.

Um dem zu begegnen, wurde im Projekt MIGOEK sowohl eine Informationsbroschüre als auch ein Konzept für eine niedrigschwellige Informations- und Vernetzungsveranstaltung erarbeitet. Die Informationsbroschüren wurden vor allem über Einrichtungen der Integrationsförderung an Gründungswillige weitergegeben und an den Stellen platziert, wo sich die Zielgruppe trifft und austauscht. Die Informationsveranstaltungen wurden z.T. gemeinsam mit Gründungsberater*innen der Wirtschaftsförderungen dezentral in den beteiligten Landkreisen durchgeführt und evaluiert.

Mit Hilfe dieser Veranstaltungen konnte ein niedrigschwelliges Forum für Gründungsideen eröffnet werden. Gründer*innen suchten im Anschluss z.T. Beratungsstellen auf und vernetzten sich untereinander. Mit relativ geringem Aufwand könnten ähnliche Veranstaltungen auch andernorts durchgeführt werden, um ein gründungsfreundliches Klima und die Strukturen in der Region den Bedarfen anzupassen. Notwendig dafür ist die Bereitschaft der Wirtschaftsförderung und/oder weiterer Organisationen (HWK, IHK etc.) zur Mitarbeit.

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IN²-Projektteam (2020)
Interviewleitfaden Zugewanderte

Zur Erhebung von Daten in den Kommunen können Interviews geführt werden. Dieser Interviewleitfaden soll Interessierten als Vorlage dienen, Zugewanderte in den Kommunen zum Thema Integration zu befragen.

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Datenbank
Projektteam MIGOEK (2019)

Gründungsberatung im ländlichen Raum erfolgt häufig weder ausgerichtet an spezifischen Bedarfen der Ratsuchenden noch nach einheitlichen Regeln. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Datenbank für Beispiele guter Beratungs- und Unterstützungsangebote der migrantischen Ökonomie. Sie gibt insbesondere Verantwortlichen für Gründungsberatung und Integrationsförderung Anregung und ist Ergebnis einer bundesweiten Internetrecherche (Stand Dezember 2019) mit Beispielen aus ländlichen Regionen und Großstädten sowie von öffentlichen und privaten/zivilgesellschaftlichen Anbieter*innen.

» Beispiele guter Beratungs- und Unterstützungsangebote der migrantischen Ökonomie – Datenbank