Im Gespräch: Zukunftskommunen - kommunale Nachhaltigkeit zum Nachmachen
Im Projekt "TransformBar" wurde zusammen mit engagierten Bürger*innen erprobt, mit welchen partizipativen Maßnahmen kultureller und sozialer Mehrwert in den Kommunen entstehen kann. Das Ziel: die kommunale Nachhaltigkeitstransformation voranzubringen.

Hierfür kooperierten Wissenschaftler*innen aus Göttingen, Stuttgart und Berlin mit Praxispartnern aus den Modellkommunen Treuenbrietzen (Brandenburg) und Münsingen (Baden-Württemberg). Im Zeitraum von 2016 bis 2019 wurden Prozesse angestoßen, die die beteiligten Kommunen in die Lage versetzte, ein von Verwaltung, Politik und Bürger*innen geteiltes Verständnis von Bürgerbeteiligung zu entwickeln, Methoden der Beteiligung zu erproben und zukünftig eigenständig nachhaltigkeitsorientierte Prozesse zu gestalten.

Wie auch andere Gemeinden es schaffen können, in dieser Form gemeinschaftlich beispielsweise die Aspekte einer ökologische Kreislaufwirtschaft, soziale Fairness und Bildung zusammenzubringen, wollen wir von Prof. Dr. Peter Schmuck wissen.

Prof. Dr. Peter Schmuck ist Wissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttingen im Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE). Das IZNE bearbeitete im Verbundvorhaben die Good Practice Analyse und war federführend bei der Konzeption der Online-Plattform für den Ergebnistransfer » www.zukunftskommunen.de.

 

Herr Schmuck, das Verbundvorhaben "TransformBar" endete im Mai 2019. Woran arbeiteten Sie und die Projektpartner*innen und wie werden die zentralen Erkenntnisse aus "TransformBar" in die Öffentlichkeit gebracht?

Gemeinsam mit den Kleinstädten Treuenbrietzen und Münsingen haben wir Verfahren der Bürgerbeteiligung bei der Nachhaltigkeitstransformation erprobt. Es gelang uns, über verschiedene Veranstaltungsformate – wie einen Marktplatz der Ideen oder ein internationales Jugendcamp – Vorhaben anzuschieben, die derzeit in Umsetzung sind: Ein Sozialmarkt nach dem Vorbild der antiken Agora, wo nicht nur mit regionalen Waren gehandelt, sondern Kultur und Bildung von der ansässigen Bevölkerung praktiziert wird. Und ein Schwimmbad mit Integration von Nachhaltigkeitselementen.

Die Aufgabe von uns als Wissenschaftler*innen lag darin, diese Beteiligungsprozesse zu unterstützen, zu dokumentieren und die Resultate für Interessierte aufzubereiten und zu vermitteln. Um die Prozesse in den beiden Modellkommunen zu unterstützen, wurden Erfolgsfaktoren besonders gut gelungener Vorhaben im gesamten Bundesgebiet analysiert. Pionierkommunen, welche in den Bereichen Soziales, Ökonomisches, Ökologisches und Bildung mindestens drei substantielle kommunal bedeutsame Projekte erfolgreich abgeschlossen haben, wurden als "Zukunftskommunen" ausgezeichnet und werden auf der Transferplattform » www.zukunftskommunen.de vorgestellt.

Mit der Internetplattform "Zukunftskommunen" zeigen Sie gute Beispiele auf und geben auch ihre wissenschaftlichen Ergebnisse weiter. An wen richtet sich die Plattform?

Die Plattform dient dem Zweck, interessierten Gemeinschaften aufzuzeigen, dass auch unter den gegenwärtig schwierigen globalen und bundespolitischen Rahmenbedingungen der Wandel hin zu nachhaltigen Lebensmustern auf kommunaler Ebene möglich ist. Und noch mehr: Dass dieser Umbau auch simultan in mehreren Bereichen gestartet und vollzogen werden kann, wenn mutige und kluge Menschen aus verschiedenen Gruppen in Kommunen beherzt zusammenwirken.

Viele Studien haben aufgezeigt: Persönliche Begegnung und Austausch sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für gelingende Innovationsprozesse. Die Plattform "Zukunftskommunen" macht derartige "Funkenflüge" – oder wissenschaftlicher gesagt, den Transfer von kommunalen Nachhaltigkeitstransformationen – für die Vielfalt der hier beschriebenen Innovationen möglich. Eben diesen persönlichen Austausch wollen wir mit » www.zukunftskommunen.de stärken – Menschen, die sich auf den Weg zur nachhaltigen Kommune machen wollen mit denen zusammenzubringen, die diesen Weg schon gegangen sind und den unmittelbaren Erfahrungsaustausch fördern.

Welche Inhalte erwarten die Besucher*innen der Webseite "Zukunftskommunen"?

Die Plattform beschreibt 50 Kommunen mit jeweils mindestens drei kommunalen Erfolgsprojekten. Die Projektdarstellung auf der Plattform umfasst Angaben zur Entstehungsgeschichte sowie Erfolgsfaktoren und jeweils auskunftsbereiten Ansprechpartner*innen. Die bundesweit verteilten Kommunen sind auf einer Landkarte verortet. Von jedem Ort des Landes aus kann eine der Zukunftskommunen in maximal 100 km Entfernung erreicht werden. Die Nutzer*innen der Plattform können über die Eingabe ihres Standortes erfahren, welche der Zukunftskommunen sich in der eigenen Region befinden.

Insgesamt sind derzeit 167 kommunale Erfolge auf der Plattform dargestellt, welche zeigen, was alles möglich ist im Rahmen der Nachhaltigkeitstransformation. Sie regen an und machen Mut. Sie lassen sich "durchblättern" -  doch interessieren sich Nutzer*innen für bestimmte Aspekte, können sie auch gezielt nach einzelnen Transformationsbereichen suchen. Die Webseite stellt Erfolge in vier Bereichen dar:

» "Bildung machen", u.a. Lehrpfade, Umwelttrainer und Umweltbildung

» "Kreislaufwirtschaft", u.a. Regionale Kreisläufe, verpackungsfreie Verteilung, Natur-Baustoffe, Solarmobilität, Recycling, Bio-Landwirtschaft nachwachsende Rohstoffe sowie Produktion von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie

» "Natürliche Vielfalt", u.a. Null-Emission, Naturschutz, Ressourcenschutz, Klimaschutz, Permakultur und Erhaltung von Biodiversität

» "Gemeinschaft", u.a. Miteinander aller Bevölkerungsgruppen, Integration und Inklusion, Generationennetzwerk, Genossenschaften, Re-Kommunalisierung von Infrastruktur, lokale Währung, Tauschen und Schenken

Darüber hinaus kann auch die freie Suche verwendet werden. Wenn Sie z.B. einmal gehört haben, dass es "Solareis-Erdspeicher" oder "E-Radlader" gibt, können Sie auf unserer Seite Fakten über Orte finden, an denen solche Dinge umgesetzt sind, etwa ein Bildungszentrum in Wiernsheim, welches über einen Solareis-Erdspeicher verfügt oder den städtischen Recyclinghof von Sankt Wendel, wo ein E- Radlader im Einsatz ist.

Weiterhin beinhaltet die Plattform Tipps, wie die Beteiligungskultur in Kommunen gezielt unterstützt werden kann. 17 sog. "Tools" werden beschrieben, welche in verschiedenen Projekt-Phasen die Beteiligung bei Planung und Umsetzung kommunaler Nachhaltigkeitsprojekte erleichtern können. Auch Leitlinien für Bürgerbeteiligung wurden erarbeitet sowie ein Beteiligungskonzept, in dem unsere Erfahrungen festgehalten sind, wie Bürger*innen, Verwaltung und Lokalpolitik gemeinsam die Zukunft vor Ort gestalten können. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Durchstöbern der Plattform "Zukunftskommunen"!

 

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