"Im Gespräch...": Prof. Dr. Andrea Walter (SROI) und Dr. Manuela Weber (ZUGG)
"Im Gespräch...": Verbundvorhaben SROI und ZUGG
Innovative Ansätze zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements ("SROI" und "ZUGG")
Miriam Nolting und Prof. Dr. Andrea Walter (beide SROI) und Dr. Manuela Weber (ZUGG) geben einen Ausblick auf die aktuellen Fortschritte und Herausforderungen in ihren Projekten. Der Fokus liegt auf dem Thema bürgerschaftliches Engagement.

Immer Sommer 2021 sind 11 Verbundvorhaben in der Fördermaßnahme "Kommunen innovativ" an den Start gegangen. Die Verbundvorhaben "SROI" und "ZUGG" befassen sich mit dem bürgerschaftlichen Engagement in strukturschwachen Regionen. "Im Gespräch" berichten Miriam Nolting und Prof. Dr. Andrea Walter (beide SROI) und Dr. Manuela Weber (ZUGG) von den Ansätzen, die in ihren Vorhaben verfolgt werden, vor welchen Herausforderungen das bürgerschaftliche Engagement in den Modelkommunen steht und wie es im Projekt weitergeht.

Dr. Manula Weber ist Senior Researcher im Bereich „Ressourcen & Mobilität“ am Öko-Institut und leitet das Verbundvorhaben » ZUGG.

Miriam Nolting ist Mitarbeiterin im Kreis Lippe und stellvertretende Verbundkoordinatorin im Verbundvorhaben » SROI.

Prof. Dr. Andrea Walter ist Professorin an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) und im Verbundvorhaben » SROI tätig.

Bürgerschaftliches Engagement kann einen wesentlichen Beitrag leisten, um die kommunale Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen zu sichern. Hier setzt Ihr Vorhaben an: Welche neuen und innovativen Ansätze beforschen und erproben Sie? Wann ist Ihr Vorhaben erfolgreich?

Prof. Dr. Andrea Walter (SROI): Unser Projekt hat zwei Ansätze: Einmal soll eine monetäre Bemessungsgrundlage zur Ermittlung des Werts von ehrenamtlichen Tätigkeiten in ausgewählten Handlungsfeldern der Daseinsvorsorge entwickelt werden, als Argumentationshilfe für Politik und Verwaltung. Zudem wollen wir in der Modellregion Kreis Lippe anhand von Fallstudien in den Bereichen Mobilität, Brandschutz und Nahversorgung untersuchen, wie die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Engagierten und ihren Organisationen gestärkt werden kann. Wann wir erfolgreich sind? In unserer ersten Beiratssitzung hat es ein Mitglied sehr treffend formuliert: Erfolgreich ist das Vorhaben dann, wenn nach drei Jahren nicht nur Papier produziert wurde, sondern konkrete Empfehlungen, mit denen die Praxis etwas anfangen kann!

Dr. Manuela Weber (ZUGG): Das Vorhaben » ZuGG hat sich die Verwirklichung von mindestens drei Pilotprojekten in Wittenberge und Perleberg zum Ziel gesetzt. In sogenannten Reallaboren wollen wir als transdisziplinäres Team aus Wissenschaft (Öko-Institut) und Praxis (TGZ Prignitz) ein offenes und partizipatives Format der Bürger*innen-Beteiligung erproben. In ZuGG gehen wir dabei bewusst über die Ideenfindung hinaus und unterstützen in Bürgerteams zufällig ausgewählte Bürger*innen, bereits Engagierte und weitere Interessenvertreter*innen dabei, Projektideen zu identifizieren und umzusetzen. Daneben gehen wir mit einer digitalen Bürger*innen-Beteiligung neue Wege. Die Entwicklung tragfähiger und nachhaltiger Angebote der Daseinsvorsorge in der Nahmobilität und Innenstadtbelebung ist für uns dabei genauso ein Erfolgsindikator wie der überregionale Wissenstransfer in Wissenschaft und Praxis.

Ziel der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“ ist auch die Erprobung dieser Ansätze vor Ort. Mit welchen besonderen Herausforderungen müssen Ihre Modellkommunen mit Blick auf die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements umgehen? Und wie soll ihnen entgegengetreten werden?

Dr. Manuela Weber (ZUGG): In der Prignitz stehen wir vor der für ländliche Räume außergewöhnlichen Situation, dass beide Städte in Sachen Bürger*innen-Beteiligung bereits umfassend erproben. Von diesen vielfältigen Erfahrungen können wir lernen und Ergebnisse in ZuGG einfließen lassen. Es stellt uns aber auch vor die Herausforderung, sich nicht nur im Projektteam, sondern auch mit der kommunalen Praxis intensiv hinsichtlich der inhaltlichen Fokussierung, der methodischen Vorgehensweise oder den Zeitplänen bei der Bürger*innen-Beteiligung abzustimmen. Bereits erarbeitete Ideen aus der Bürgerschaft sollen nicht verloren gehen, gleichzeitig wollen wir uns die Offenheit für neue Ideen behalten. Diesen Balanceakt wollen wir mit den Bürgerteams meistern, in denen sowohl Zufallsbürger*innen mit neuen Ideen als auch bereits Engagierte gemeinsam diskutieren.

Miriam Nolting (SROI): Erprobungs- und Forschungskulisse unseres Projekts ist der gesamte Kreis Lippe. Wie in anderen ländlich geprägte Regionen müssen Engagierte auch hier vor Ort mit Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Nachwuchsmangel umgehen. Um Herausforderungen zu begegnen ist das Projekt im » Zukunftskonzept 2025 des Kreises Lippe integriert. Durch die Vernetzung des Projekts mit anderen Initiativen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements im Kreisgebiet ist SROI Multiplikator neuer Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen. Ganz konkret beziehen wir Engagierte in den Forschungsprozess mit ein. So rückt ihre Perspektive in den Fokus und es können angepasste Lösungen entwickelt werden, mit den genannten Herausforderungen umzugehen.

Ihr Vorhaben ist erfolgreich gestartet. Was sind die nächsten Arbeitsschritte in Ihrem Vorhaben? Und was können andere bereits jetzt von Ihnen lernen?    

Miriam Nolting (SROI): Die nächsten Meilensteine in unserem Projekt sind die Vorbereitung und Durchführung der Feldphasen. Hier arbeiten wir erstmals in den ausgewählten Handlungsfeldern (Mobilität, Brandschutz und Nahversorgung) und kommen mit Engagierten vor Ort ins Gespräch. Was andere von uns lernen können? Vielleicht sind wir ein gutes Beispiel dafür, wie Verwaltung und Wissenschaft auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Unser Projektansatz ist transdisziplinär ausgerichtet. Projektideen und Fragestellungen können auch von einer Verwaltung initiiert werden. Forschung und Verwaltung können und sollten voneinander lernen.

Dr. Manuela Weber (ZUGG): Gespräche mit Best-Practices haben uns einen hilfreichen Blick über den Tellerrand hinaus wie auch die Identifizierung von Stärken und Schwächen in Beteiligungsprozessen ermöglicht. Die ersten Monate der Projektarbeit haben gezeigt, dass beim transdisziplinären Arbeiten unterschiedliche Perspektiven, Arbeitsweisen und Interessenschwerpunkte aufeinandertreffen. Man sollte als Projektteam genügend Zeit einplanen, um gemeinsam eine Vision zu entwickeln. Das ist der Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit im Forschungsprojekt. Nach der wissenschaftlichen Einordnung und konzeptionellen Planung der Bürger*innen-Beteiligung stehen wir nun in den Startlöchern der Partizipation. Los geht es mit der digitalen Bürger*innen-Beteiligung. Daran schließen sich die Bürgerteams an. Wir sind gespannt, mit welchen Projektideen wir die Bürger*innen bei der Umsetzung begleiten dürfen.