Ortsinnenentwicklung
Hessische Pilotgemeinden schaffen Zentren mit mehr Lebensqualität
Drei Gemeinden im hessischen Wetterau-Kreis wollen mehr Lebensqualität in ihren Zentren schaffen. Im Projekt „Ortsinnenentwicklung“ kooperieren sie dafür mit der Universität Gießen. Sie passen vorhandene Planungsinstrumente den lokalen Gegebenheiten an. Aus einzelnen Bausteinen entsteht eine Gesamtstrategie - als Pilotprojekt für den gesamten Landkreis.

Das Potenzial der Zentren
Butzbach, Nidda und Ortenberg sind drei benachbarte Gemeinden im Landkreis Wetterau, nördlich der Großstadt Frankfurt/Main. Es sind Pendler-Gemeinden unterschiedlicher Größe. Die drei Gemeinden vereint ihr gemeinsames Vorhaben: Sie wollen ihre Ortszentren zukunftsfähig machen und interkommunale Aufgaben dauerhaft in ihren Gemeinwesen verankern. Dafür haben sie vor allem ihr Potenzial an Wohngebäuden und öffentlichen Einrichtungen im Blick. Auch eine attraktivere Verkehrs-Infrastruktur gehört dazu.

Im Projekt „Ortsinnenentwicklung“ kooperieren die Kommunen mit Raum- und Stadtplanern und Geografen der Universität Gießen. Die Wissenschaftler passen bereits vorhandene planerische Instrumente der Ortsinnenentwicklung an die lokalen Verhältnisse an. Sie analysieren einzelne Instrumente und fügen sie zu einer Gesamtstrategie. Zudem untersuchen sie, wie diese Strategie umgesetzt werden kann. Bereits vorliegende wissenschaftliche Ergebnisse und Lösungen werden im konkreten lokalen und regionalen Rahmen erprobt und weiterentwickelt.

Instrumente einer Gesamtstrategie
Für den Bereich Wohnraum wollen die Gemeinden sogenannte Eigentümer-Standortgemeinschaften nutzen. Dieses Modell hat sich für den großstädtischen Einzelhandel in Zentren bewährt. Das Gremium der Eigentümer managt seine verschiedenen Bedarfe und steuert Entwicklung unter ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten. Im Projekt „Ortsinnenentwicklung“ passen die Wissenschaftler das Modell an den Bedarf von Wohneigentümern in kleinstädtischen Zentren an. Dazu erforschen die Gießener Raumplaner und Geografen zunächst die Kooperationsinteressen der Eigentümer und entwerfen ein entsprechendes Modell, das dann beispielhaft etabliert wird.

Auch der Frage potenziellen Leerstandes widmet sich „Ortsinnenentwicklung“. Dafür soll ein regionales Kataster der entsprechenden Gebäude entstehen – und Modelle für Nachfolgenutzungen. Zudem werden Ehrenamtliche ausgebildet, die auf Beratungs- und Fördermöglichkeiten für die Neunutzung von Gebäuden hinweisen.

Für den Bereich Verkehr setzt das Projekt auf Kooperationsmodelle, die Planer und Aufsichtsbehörden, Anwohner und Nutzer in einem Prozess vereinen. Die lokalen Akteure bündeln ihre Bedarfe und stimmen die unterschiedlichen Interessen miteinander ab. Sie praktizieren dies beim Umgestalten der Hauptverkehrsstraßen ihrer Orte. Die wesentlichen Verkehrsadern durch die Ortszentren sollen so entwickelt werden, dass sie für anliegende Geschäftsinhaber, Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichermaßen attraktiv sind.

Pilotvorhaben für die gesamte Region
Die Strategie der „Ortsinnenentwicklung“ in Butzbach, Nidda und Ortenberg dient als Pilotvorhaben für die gesamte Region Wetterau. Unter dem Credo: „Lebens-wert. Naturnah. Zentral“ stellen sich die insgesamt 17 Gemeinden für eine ökologische, ökonomische und soziale Zukunft unweit des Ballungszentrums Frankfurt/Main neu auf. Die im Projekt erfolgreich angewandten planerischen Instrumente sollen auf andere Ortschaften des Kreises übertragen werden. Für eine entsprechende Vernetzung mit regionalen und kommunalen Akteuren sind der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main, die Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH und das Amt für Bodenmanagement in das Projekt eingebunden.