LAZIKN2030
LAZIKN2030
Zwei Kommunen entwickeln mit Jugendlichen Szenarien für mehr Nachhaltigkeit
Im Projekt „LAZIKN2030“ stellen die Kommunen Sandersdorf-Brehna und Barnstorf soziale und wirtschaftliche Bereiche auf Nachhaltigkeit um. Mit Jugendlichen erproben sie dafür ein Entscheidungshilfesystem. Wirtschafts- Geographen entwickeln die Szenarien des Projekts, Pädagogen die Didaktik.

Länderübergreifende Partnerschaft
Mit der niedersächsischen Samtgemeinde Barnstorf, einem Gemeindeverband aus vier Kommunen, und der Stadt Sandersdorf-Brehna in Sachsen-Anhalt kooperieren eine forschungserfahrene Gemeinde und ein Neuling im wissenschaftlichen Bereich. Beide wollen für ihren weiteren Umstieg auf nachhaltige Entwicklung voneinander profitieren. Barnstorf, ein Wirtschaftsstandort unweit Bremens, hat rund 12.000 Einwohner. Die Stadt Sandersdorf-Brehna – Einwohnerzahl: 15.000 – gilt als familienfreundlicher Wirtschaftsstandort unweit der Stadt Halle. Wissenschaftliche Partner im Verbund sind Wirtschafts- und Sozialgeographen der Universität Greifswald und Geographie-Pädagogen der Universität Hannover.

Wohnraum, Energie, Landwirtschaft
Wie gelingt ein stabiler Umstieg auf Nachhaltigkeit, gemeinsam mit den Bewohnern? Diese Frage wollen die beiden Gemeinden jeweils anhand zweier aktueller Handlungsfelder beantworten und praktisch erproben. Der Ansatz will kommunale Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit stärken. Entwicklungen sollen langfristig und unter Berücksichtigung aller kommunalen Belange betrachtet, Ad-hoc-Entscheidungen vermieden werden.

Die Stadt Sandersdorf-Brehna erforscht den Handlungsbedarf für einen weiteren familienfreundlichen Ausbau ihrer sozialen Infrastruktur und von Wohngebieten. Die demografische Entwicklung benötigt mehr Kindertagesstätten, zuziehende Familien brauchen neuen bedarfsgerechten Wohnraum. Wie lassen sich z. B. Neubauten finanziell sichern? Wie lässt sich dabei neuer Flächenverbrauch mindern bzw. ausgleichen?

Die Fragen der Samtgemeinde Barnstorf betreffen Erneuerbare Energien und Landwirtschaft. Windparks und neue Freianlagen der Tierhaltung sollen flächenschonend ausgebaut, dabei das Landschaftsbild der Region erhalten bleiben.

Think-Tank Schule: Zukunftsweisende Kooperation
Lösungsansätze für Zielkonflikte der Nachhaltigkeit bei der Gestaltung zukunftsfähiger Kommunen entstehen u.a. in innovativen Beteiligungsformaten mit Schülern der Sekundarstufe und Gymnasium. Schüler je einer Schulklasse pro Kommune entwickeln Ideen und Perspektiven für finanzstarke Kitas, flächensparende Windparks oder neuen Wohnraum. Ihre Klassenräume werden dabei zu Think-Tanks, zu Denkfabriken. Die Wissenschaftler des Instituts für Didaktik der Naturwissenschaften an der Leibniz-Universität Hannover begleiten die Schulen und evaluieren die Ergebnisse.

In Expertengesprächen diskutieren die Forschungspartner ihre Fragestellungen auch mit weiteren Bürgervertretern beider Gemeinden. Wissenschaftler des Lehrstuhls Wirtschafts- und Sozialgeographie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald entwickeln daraus Szenarien und Simulationen. Auch an diesen Szenarien beteiligen sich die Schüler und Bürger. Im Anschluss erfolgt die praktische Erprobung in den beiden Kommunen.

Die Innovation des Projekts, eine Entscheidungshilfe für Kommunen in Nachhaltigkeits-Fragen zu sein, hat damit einen weiteren Nachhaltigkeits-Aspekt: Diejenige Generation, die kommunale und regionale Entwicklung künftig verantwortet, ist schon frühzeitig in den Entscheidungsprozess einbezogen. Erfolgreiche Verfahren und Methoden werden abschließend in einem Analyse‑ und Entscheidungsinstrument gebündelt, das von anderen Kommunen als methodisches Werkzeug angewendet werden kann.