WatNu
Wat Nu?
Tourismusgemeinden bestimmen ihre Zukunftsperspektiven im Reallabor
„Wat Nu?“ sichert hohe Lebensqualität im einzigartigen Weltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“. Vier Gemeinden steuern ihre Ortsentwicklung vorausschauend, für die Bedarfe von Einheimischen und Touristen gleichermaßen. Zukunftsperspektiven entstehen im Zusammenspiel aller Akteure im Reallabor, das Oldenburger Umwelt- und Raumwissenschaftler entwickeln und auswerten.

Wandel im Wattenmeer
Die beiden Nordsee-Inseln Spiekeroog und Juist und die Festlandgemeinden Wangerland und Norden vereint im Projekt „Wat Nu?“ zweierlei. Die erste Gemeinsamkeit: Mit ihrer Lage im Biosphärenreservat und UNESCOWeltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“ sind sie attraktive Touristenziele. Hunderttausende Besucher genießen jährlich die einzigartige Natur, viele haben in den Orten ihren zweiten Wohnsitz. Die zweite Gemeinsamkeit der niedersächsischen Kommunen: Sie wollen die Lebensqualität ihrer Kommunen ganzjährig gestalten – für Einheimische und Touristen gleichermaßen; während der Touristensaison und auch danach. Im Reallabor, im direkten und im medialen Austausch von lokalen und überregionalen Akteuren und Entscheidungsträgern, wollen sie konkrete Lösungen finden. Die Wissenschaftler der Carl-von Ossietzky-Universität Oldenburg und der Arbeitsgruppe für regionale Struktur-und Umweltforschung GmbH Oldenburg moderieren das Reallabor und werten Methoden und Ergebnisse aus. Für die beiden Inseln ist vor allem der Bereich Wohnraum wesentlich. Welche Wohnmodelle sind möglich und finanzierbar, damit Einheimische und Feriengäste gleichermaßen gute Voraussetzungen für Lebensqualität vorfinden? Damit verbunden ist auch die Frage, wie die Inseln attraktive Arbeitsorte für Fachkräfte sein und bleiben können. Welche Infrastruktur ist nötig, damit sie sich auch künftig dauerhaft an die Insel binden? Die beiden Festlandgemeinden Wangerland und Norden suchen darüber hinaus nach Lösungen für Infrastrukturund soziale Dienstleistungen: Wie lassen sich z.B. Straßen und öffentliche Einrichtungen ganzjährig betreiben und finanzieren?

Reallabore unterschiedlicher Medien
Mit der wissenschaftlichen Methode der Reallabore nutzen die Gemeinden ein Instrument der Entscheidungsfindung, das Informationen bündelt und Lösungen exemplarisch erprobt und durchspielt. Verstreut vorhandenes System- und Transformationswissen in den Tourismusgemeinden wird auf diese Weise zusammen geführt. Im gegenseitigen Austausch von lokalen und überregionalen Akteuren und im Experiment realer Bedingungen entstehen Antworten, die in sachgerechten Handlungsoptionen münden. Für das „Wat-Nu?“-Projekt etablieren die Umwelt- und Raumwissenschaftler zwei Formate von Reallaboren. Das eine ist der persönliche Austausch aller Beteiligten vor Ort. Mit einem zweiten medialen Reallabor nutzen die Forschenden die digitalen Chancen einer Webplattform: Sie erweitert den Kreis der Beteiligten und der Informationen, sie kann dauerhaft fortgeschrieben werden. Im Lauf des Projekts ergänzen sich diese beiden Formate, alle Informationen fließen zusammen.

Blick ins Nachbarland
Neben Lösungen aus dem Reallabor beziehen die Wissenschaftler für die Gemeinden weitere Instrumente der Ortsentwicklung ein. Dazu gehören zum Beispiel Inselparlamente – in diesen Gremien entscheiden Einheimische und Touristen gemeinsam Belange der Ortsgestaltung. Ein weiterer Ansatz ist der Blick ins Nachbarland, in die Niederlande. In ähnlichen Forschungsprojekten haben Wissenschaftler der Universität Groningen Best-Practice- Beispiele erstellt, etwa eine Ideenbank zur Selbsthilfe. Diese wollen die Wattenmeer-Gemeinden für ihre Bedingungen adaptieren und erproben. Zum Abschluss des Projekts „Wat Nu?“ gewinnen die Partner zweierlei: Lösungen für ihre Ortsentwicklung, die sie gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren getroffen haben und die sich für weitere Touristengemeinden in Deutschland empfehlen. Das zweite: Die Methode des Reallabors soll so weit erforscht werden, dass sie von Akteuren ähnlicher Fragestellungen angewandt werden kann.