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Wat Nu?
Co-Kreativität in Tourismusorten des Wattenmeers
Vier Gemeinden im Weltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“ entwarfen Perspektiven, wie sie für Einheimische und Touristen gleichermaßen attraktiv bleiben. Bevölkerung, Verwaltung, Politik und Wissenschaft erstellten Lösungen für Mobilität und Nahversorgung.

Die Projektziele
Im Projekt „Wat Nu?“ untersuchten Bürgerinnen, Bürger und Gäste der Region „Niedersächsisches Wattenmeer“ gemeinsam mit Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, wie sich der demografische Wandel in ihren Gemeinden auswirkt. Die Herausforderungen: Fachkräftemangel in der Tourismusbranche; temporär ausgelastete Infrastrukturen; Ruhestandszuwanderung und Zunahme von Zweitwohnsitzen; Mobilität. Die gemeinsame Arbeit an diesen Herausforderungen in Reallaboren aktivierte die Teilnehmenden, sich an innovativen Lösungsansätzen und an langfristigen Organisationsstrukturen zu beteiligen.

Das Projekt konzentrierte sich auf die Gemeinde Wangerland. Als Projektpartner begleiteten die Stadt Norden, die beiden Inselgemeinden Spiekeroog und Juist sowie das Wadden Sea Forum e. V. das Vorhaben. Die Universität Groningen unterstützte das Projekt mit Web-Mapping-Tools. Auf wissenschaftlicher Seite lag die Projektbegleitung und -leitung vorwiegend bei der Universität Oldenburg. Die konzeptionelle Gestaltung, Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Partizipations- und Co-Kreationsprozesse erfolgte vorrangig durch die ARSU GmbH, in enger Kooperation mit der Projektkoordinatorin in der Gemeinde Wangerland.

Die Projektergebnisse
Im Rahmen von “Wat Nu?” entstand in der lokalen Bevölkerung und in der Politik ein neues Bewusstsein für die eigenen Stärken und Handlungsmöglichkeiten. Über „Wat Nu?“ gelang es auch, Potenziale der Zusammenarbeit mit Forschenden aufzuzeigen. „Wat Nu?“ konnte Prozesse und Projekte anstoßen, die co-kreativ realisiert werden. Dazu gehören unter anderem:

» Die Initiierung und Gründung eines Mobilitätsvereins in der Gemeinde Wangerland.
» Konkrete Planungen für die Etablierung eines Bürgerbusses.
» Die Initiierung eines neuen Diskurses zum Thema Nahversorgung mit konkreten Umsetzungsideen.

Die Mobilitätsinitiative im Wangerland wird künftig von der Bevölkerung und den Gästen der Gemeinde gleichermaßen genutzt. So will sie den Bürgerbus etablieren – von Ehrenamtlichen betrieben. Auch andere Mobilitätsangebote sollen entstehen. Die beteiligten Kommunen wollen die Zusammenarbeit zwischen Zivilbevölkerung, Politik und Verwaltung und den wissenschaftlichen Einrichtungen auch über das Projektende hinaus weiterführen. Mit dem Wadden Sea Forum Wilhelmshaven hat sich eine in der Region etablierte Institution bereit erklärt, zukünftig als Diskussionsforum zu fungieren und die Initiativen weiter zu begleiten.

Die Projektmethodik
Neben klassischen wissenschaftlichen Methoden gehörten auch unterschiedliche Kreativitätstechniken im Rahmen von Bürgerwerkstätten, Methoden der aufsuchenden Beteiligung oder Onlinetools zum Repertoire von „Wat Nu?“. Videoprojekte, studentische Gruppenprojekte und Abschlussarbeiten beschäftigten sich mit dem demografischen Wandel in den Tourismusgemeinden.

Angesichts der Größe und der dispersen Siedlungsstruktur der Gemeinde Wangerland gestaltete sich der Partizipationsprozess sehr aufwändig. Eine besondere Herausforderung war auch die Einbindung der Besitzerinnen und Besitzer von Zweitwohnungen und der Menschen, die ihren Ruhestand in der Gemeinde verbringen. Ihre Interessen und ihr Engagement sind für die weitere lokale Entwicklung von Bedeutung.

Im Projekt haben sich neue Fragen ergeben, aus denen die Forschenden Bedarf nach weiteren Projekten ableiten:

» Neue lokale Beteiligungsstrukturen wie Reallabore erfordern Lenkung, Koordination und wissenschaftliche Unterstützung. Wie kann eine entsprechende Organisationsstruktur für Gemeinden beschaffen sein?
» Welche Bedeutung spielt das ehrenamtliche Engagement bei der Gestaltung von lebenswerten Orten im Spannungsfeld zwischen Selbstermächtigung und kommunaler Pflichtaufgabe?
» Wie können die Ergebnisse von Beteiligungsprozessen und lokalem Engagement besser in kommunale Politik und Verwaltung integriert werden?