© ILS/Mandy Marzisch
Kleinstadt_gestalten
Ermöglichungsräume für die Bevölkerung
„Kleinstadt_gestalten“ stärkte zivilgesellschaftliches Engagement und schuf eine Kultur der Anerkennung für eine Kommune im demografischen Wandel. In Weißwasser in der Oberlausitz wirken auch nach Forschungsende Bürgerprojekte als Impulsgeber für eine ermöglichende, co-kreative Kleinstadt.

Die Projektziele
Eine Stadt lebt vom Potenzial ihrer Bevölkerung und deren Gestaltungswillen und -räumen. So stand im Fokus von „Kleinstadt_gestalten“ das zivilgesellschaftliche Engagement für eine Kommune, die von starkem Bevölkerungsrückgang geprägt ist. In Weißwasser erforschte das Projektteam aus Kommune und Wissenschaft die spezifischen Bedürfnisse ausgewählter Bevölkerungsgruppen – von Jugendlichen, jungen Frauen und Rückkehrenden bzw. Zugezogenen. Dies sind allesamt Bevölkerungsgruppen, die einer Kommune Zukunft geben können. Ihnen sollten Räume für gemeinsame Ideen und Arbeiten geschaffen werden – Möglichkeitsräume. Zudem baute die Stadt die Anerkennungskultur für ihr Engagement aus.

Die Engagierten entwarfen Bürgerprojekte zur freiwilligen kommunalen Daseinsvorsorge. Diese ist für die Stadt Weißwasser zukunftsweisend, steht sie doch angesichts schwindender kommunaler Finanzspielräume vor Herausforderungen in diesem Bereich. Mit dem Projekt „Kleinstadt_gestalten“ gelang es, der Bevölkerung Anreize zu geben, um Bedarfe in der Stadt zu erkennen und sich zu engagieren.

Im Ergebnis wurden Lösungsstrategien entwickelt, die in anderen Kleinstädten mit ähnlichen Herausforderungen zur Anwendung kommen können – wie etwa zur Verstetigung von Bürgerprojekten und zur Schaffung von Ermöglichungsräumen.

Die Projektergebnisse
„Kleinstadt_gestalten“ entwickelte drei Werkzeuge für bürgerschaftliches Engagement der Daseinsvorsorge, die nun angewandt werden. Diese können als Bausteine einer „ermöglichenden Kleinstadt“ gelten. Im Einzelnen sind das:

» Eine Sommer-Schule aktiviert und motiviert Engagierte und dient der Ideenfindung für mögliche Bürgerprojekte.
» Ein Kleinprojektefond unterstützt die Bürgerprojekte finanziell bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten.
» Eine Werkschau der Bürgerprojekte bietet eine Plattform für Engagierte, ihre Bürgerprojekte der Öffentlichkeit vorzustellen und für weitere Mitstreiter zu werben.

Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Projekt „Kleinstadt_gestalten“ wurden in Form von Handlungsempfehlungen auf der Projekt-Webseite ort-schafft.eu veröffentlicht.

Fünf Bürgerprojekte aus den Bereichen Kultur, Öffentlichkeitsarbeit, Jugendarbeit und Verbesserung des Wohnumfeldes wirken auch nach Projektende als Impulsgeber in die Stadtgesellschaft Weißwassers hinein. Bestehende Ermöglichungsräume, wie das soziokulturelle Zentrum und ein Vereinspavillon, bieten Plattformen, Ressourcen und Wissen für weitere Engagierte vor Ort und ihre Projekte.

Die Projektmethodik
Zunächst gewann das Projektteam die ausgewählten Bevölkerungsgruppen zum Mitmachen – mit der aus dem Marketing stammenden Guerilla-Taktik. Dann folgten Sommer-Schule und die weiteren Bausteine für bürgerschaftliches Engagement – im steten Austausch mit der Stadtverwaltung und den begleitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Im gesamten Prozess begleitete das Forschungsteam die Engagierten mit Knowhow, Infrastruktur und finanziellen Mitteln.

Bei der Ideenfindung und Umsetzung unterstützte das „Ort-Schafft“-Team aus Mitarbeitenden des Stadtvereins Weißwasser die Bürgerinnen und Bürger. Der zweite Projektpartner, die Stadtverwaltung, übernahm die Umsetzung eines Kleinprojektefonds im Sinne einer „ermöglichenden Kommune“. Das Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung begleitete das Projekt wissenschaftlich und evaluierte die Umsetzung der Bürgerprojekte und der Anreiz- sowie Anerkennungsmechanismen.

Das Fazit des Projektteams: Eine Kultur des Ermöglichens lässt sich am nachhaltigsten schaffen, wenn diese gemeinsam mit allen städtischen Akteurinnen und Akteuren im Sinne einer „Co-Kreation auf Augenhöhe“ gelebt wird.