KoDa eg
KoDa eG
Wie Bürgergenossenschaften Leistungen der Daseinsvorsorge zukunftsfähig tragen können
„KoDa eG“ gründet Bürgergenossenschaften für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Dienstleistungen der Daseinsvorsorge in Kommunen. Vier Gemeinden erproben gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern, wie genossenschaftliche Modelle die Daseinsvorsorge tragen können.

Länderübergreifende Kooperation
In der Organisationsform der Bürgergenossenschaften sehen die Projektpartner von „KoDa eG“ eine dreifache Innovation für die Daseinsvorsorge in Kommunen. Genossenschaftliches, wirtschaftliches Engagement schafft zum einen hohe Lebensqualität in den Regionen. Als zweites ermöglichen Genossenschaften neue Gestaltungsoptionen der Daseinsvorsorge. Zusätzlich bieten sie lokalen Wirtschaftsunternehmen neue Möglichkeiten, sich in genossenschaftliche Zusammenhänge einzubringen. Diese Innovationen wollen die sieben „KoDa eG“-Partner aus Kommunen, Wissenschaft und Dienstleistung in ihrem Forschungsprojekt gemeinsam erproben. Ihre Bürgergenossenschaften sollen kommunale Aufgaben der Daseinsvorsorge tragen und stabilisieren. Kooperationen mit der kommunalen Verwaltung sind dabei angestrebt.

Die Gemeinden Schuttertal, Oberreichenbach und Offenburg aus Baden-Württemberg und die thüringische Gemeinde Posterstein haben sich für „KoDa eG“ mit den Beratungsinstituten SPES aus Freiburg und K-Punkt Ländliche Entwicklung aus Heiligkreuztal zusammengeschlossen. Koordiniert wird der Forschungsverbund vom Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) in Freiburg, einem Kompetenzzentrum im Bereich bürgerschaftlichen Engagements. Als assoziierte Partner wollen die Dorfgemeinschaft Kiebingen und die Gemeinde Neuweiler aus Baden-Württemberg, der Saarländische Landkreis Saarpfalz und Lützow-Lübstorf aus Mecklenburg-Vorpommern Erfahrungen und Ergebnisse des Forschungsprojekts für spätere Vorhaben nutzen.

Genossenschaftliche Handlungsfelder
„Kommunale Daseinsvorsorge durch Bürgergenossenschaften“ lautet der vollständige Projekttitel. Die Projektpartner haben zwei Modelle dafür im Blick: Sie wollen in den beteiligten Kommunen Dienstleistungen und Infrastrukturen bürgergenossenschaftlich organisieren oder neue sozialintegrative Vorhaben mit Hilfe von Bürgergenossenschaften initiieren. Die Handlungsfelder dafür reichen von Nahversorgung und Mobilität bis hin zu Freizeit- und Kultureinrichtungen. Der Bedarf der Kommunen ist dabei unterschiedlich. Gemeinsam ist allen, dass sie auf einem breiten bürgerschaftlichen Engagement aufbauen.

Die Gemeinde Oberreichenbach im Nordschwarzwald, eine 2.750-Einwohner-Kommune, will vor allem gemeinsames Engagement für die Integration von Zuwanderern und für generationengerechte soziale und kulturelle Angebote schaffen. Bürgerschaftlich getragen werden in Oberreichenbach bereits ein Bürgerauto, Nachbarschaftshilfe und ein Dorfladen.

Die baden-württembergische Stadt Offenburg, mit 59.000 Einwohnern ein wirtschaftliches Oberzentrum, steuert ehrenamtliches Engagement durch einen Beauftragten der Verwaltung. Sie plant Initiativen der Nachbarschaftshilfe und der Flüchtlingshilfe sowie einen Bürgerbus und Dorfläden. Das Baden-württembergische Schuttertal als ländliche Kommune mit rund 3.200 Einwohnern baut neben einem bürgerschaftlichen Dorfladen auch eine Betreuung für Menschen mit Demenz auf. Das thüringische Posterstein, mit 430 Einwohnern die kleinste Gemeinde im Verbund, schafft in historischen Ortsgebäuden ein Zentrum für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Dienstleistungen. Auch die assoziierten Kommunen suchen nach genossenschaftlichen Modellen, beispielsweise für soziale Pflege und Betreuungsangebote.

Für diese unterschiedlichen Handlungsfelder entwickelt „KoDa eG“ genossenschaftliche Konzepte, die die Kommunen im Praxistest erproben. Die Wissenschaftler schaffen dafür die theoretischen Grundlagen und begleiten analysierend den Gründungs- und Arbeitsprozess der Bürgergenossenschaften.

Der Projektverlauf
Das Projekt „KoDa eG“ gliedert sich in insgesamt drei Phasen: In der ersten Phase, der Modellentwicklung, werden die strukturellen Voraussetzungen und Bedingungen zum Gründen und Aufrechterhalten einer Bürgergenossenschaft geklärt. Welche Wirtschafts-, Organisations- und Managementformen sind unter dem Dach einer Genossenschaft möglich? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen werden benötigt? Diese werden auf die lokalen Gegebenheiten in den Kommunen angepasst.

In der anschließenden Phase der Implementierung gründen sich die Bürgergenossenschaften in den beteiligten Kommunen. Dies erfolgt durch eine breite Beteiligung der lokalen Akteure in Form von Workshops. Die konkrete inhaltliche Arbeit der gemeinschaftlichen Vereinigungen in ihren jeweiligen Handlungsfeldern schließt sich an.

Für den abschließenden Transfer der Projektergebnisse entwickeln die Projektpartner gemeinsam ein Fortbildungskonzept sowie ein Handbuch mit Materialien, Ergebnissen und Erfahrungen. Diese Handlungsempfehlung soll weitere Gründungsprozesse von Bürgergenossenschaften in anderen Kommunen unterstützen.