KuDeQua
KuDeQua
Bürger beteiligen sich an öffentlichen Dienstleistungen im eigenen Stadtquartier
„KuDeQua“ baut kommunale Dienstleistungen in Stadtquartieren zukunftsfähig auf. Die Stadt Dortmund setzt dafür auf bürgerschaftliches Engagement und neue Finanzierungsmodelle für Nahversorgung, Mobilität und soziale Fürsorge. Gelsenkirchener Wissenschaftler analysieren und konzipieren bedarfsgerechte Instrumente.

Chancen für lokale Ökonomie
Die Stadt Dortmund will in all ihren Quartieren eine gleichwertige Lebensqualität etablieren. Mobilität, Nahversorgung, soziale Dienstleistungen sollen gut verfügbar; Baubestand und Infrastruktur attraktiv bleiben bzw. werden. Entwicklungsbedarf sieht die Stadt vor allem für ihren Norden. Eine entsprechende Initiative hat sie bereits gestartet. Mit „KuDeQua“ soll nun in zwei Stadtquartieren erfasst und erprobt werden, wie sich der soziale, ökonomische und ökologische Versorgungsbedarf der Bevölkerung neu organisieren und finanzieren lässt.

„Quartierslabore – Kultur- und demografiesensible Entwicklung bürgerschaftlich getragener Finanzierungs- und Organisationsmodelle für gesellschaftliche Dienstleistungen im Quartier“ ist der vollständige Titel des Projekts, das die Kommune gemeinsam mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen des Gelsenkirchener Instituts Arbeit und Technik und mit der NRW.BANK durchführt. Den Bedarf sehen die Projektpartner auch als Chance der Quartiere: So soll, indem Bürger öffentliche Dienstleistungen übernehmen, die lokale Ökonomie weiter entwickelt werden. Vorbilder sind dabei z. B. Bürger-Schwimmbäder, Bürger-Läden oder Nachbarschaftseinrichtungen. Entsprechende Finanzierungs und -Organisationsmodelle entwickeln die Forschungspartner gemeinsam mit Quartiersbewohnern.

Potenzial aller Generationen
Die beiden Dortmunder Quartiere, in denen die neuen Instrumente öffentlicher Daseinsvorsorge pilothaft erprobt werden, sind unterschiedlich strukturiert. Im Bezirk Marten leben rund 9.500 Einwohner unterschiedlicher Generationen und Kulturen. Die Bevölkerung ist vergleichsweise jung. Das Quartier teilt sich in einen älteren Ortsteil und eine ehemalige Bergarbeiter-Siedlung. Der zweite Stadtteil Eving hat 21.000 Einwohner. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist mit 28 Prozent nahezu doppelt so hoch wie der Dortmunder Durchschnitt. Eving ist durch eine lange Zechen-Historie geprägt, inzwischen sind hier Logistik und Dienstleistungen angesiedelt.

Welchen Bedarf hat die Bevölkerung dieser beiden Quartiere an öffentlichen Versorgungsleistungen? Was benötigen junge Familien? Was wünschen sich ältere Bewohner? Ausgangspunkt des Projekts ist die Analyse des Bedarfs. Dazu nehmen die „KuDeQua“-Forschungspartner in Quartierzirkeln, Workshops, Ortsbegehungen und anderen Beteiligungsformaten diesen Bedarf auf. Darauf aufbauend, entwickeln sie Dienstleistungen und erproben sie. Eine besondere Rolle nehmen dabei lokale Finanzprodukte ein, an denen Einwohner mitbeteiligt sind, etwa Bürgersparbriefe, Bürgeraktien und Bürgergenossenschaften.

Begegnungsraum Quartierlabor
Für die Analyse, Projekt-Entwicklung und –Erprobung hat das „KuDeQua“-Forschungsteam mehrere Schritte vorgesehen. Zusätzlich zur Bestands- und Bedarfs-Analyse erfolgt die Auswahl geeigneter Finanzierungsformen. Dazu entwickeln die Experten der NRW.BANK gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts Arbeit und Technik lokale Finanzinstrumente und passen sie für Sozialunternehmungen an. Im nächsten Schritt erfolgt der Aufbau und Betrieb der Quartierslabore in den Quartieren Marten und Eving. Diese Labore steuern die zu erprobenden Dienstleistungen, denkbar ist etwa ein Fahr- und Begleitservice von Bürgern für Bürger. Ein begleitendes Monitoring über den Projektzeitraum hinweg sichert einen erfolgreichen Verlauf.

Am Ende entsteht ein Wegweiser – in gedruckter und digitaler Form – auch für andere Kommunen. Er soll übertragbare Lösungen darstellen, welche Modelle in Quartieren initiiert werden können – und vor allem, wie diese neuen Formen gesellschaftlicher Dienstleistungen initiiert und umgesetzt werden können.