TempALand
TempALand
Kommunen stellen sich auf Bevölkerung mit multilokalen Lebensweisen ein
„TempALand“ untersucht, wie sich temporäre An- und Abwesenheiten von Menschen, die an mehreren Orten leben auf kommunale Finanzen, Wohnstandorte, Infrastrukturen und bürgerschaftliches Engagement auswirken. Gemeinden des Landkreises Diepholz in Niedersachsen stellen damit ihre Planungen auf differenzierten Bevölkerungswandel ein. Ihr Basismaterial: Analysen und Forschungen von Umwelt- und Stadtplanern aus Hannover in Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren des Diepholzer Landes.

Multilokale Lebensweisen
Arbeiten, Lernen und Leben an zwei Orten – diese multilokalen Lebensweisen stehen im Fokus des Forschungsvorhabens „TempALand - Temporäre An- und Abwesenheiten und deren Auswirkungen auf Land und Gesellschaft“. Fünf Kommunen des Diepholzer Landes wollen ihre Wohnstandorte, ihre technischen und sozialen Infrastrukturen auf diese multilokalen Lebensweisen einstellen. Ihre Absicht: mit präzisierter Planung Ressourcen verantwortungsvoll und vorausschauend nutzen.

In Nachbarschaft des Großraums Bremen gelegen, stehen die Kommunen exemplarisch für eine Region mit Bevölkerungswandel. Während der Nordkreis Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hat, stagnieren bzw. sinken im Südkreis die Einwohnerzahlen. Hinzu kommen verschiedene Formen mobiler Lebensweisen. Die Stadt Diepholz ist Kreisstadt und Hochschulstandort, dementsprechend von temporären Anwesenheiten von Studierenden und Fachkräften verschiedener Branchen geprägt. In der Verwaltungsgemeinde Lemförde als Wirtschaftsstandort leben ebenfalls zeitweilig Fachkräfte. Gleichzeitig ist die Region rund um den Dümmer See ein beliebtes Touristenziel, vor allem an den Wochenenden halten sich viele Menschen zusätzlich hier auf. In vielen Regionen im Süden hingegen pendeln Einwohner und sind nur an den Wochenenden an ihren Hauptwohnsitz anwesend.

Vorausschauende Planung
Die multilokale Lebensweise von Bewohnern haben vielschichtige Konsequenzen für den Wohnungsmarkt, den öffentlichen Nahverkehr und die technische und soziale Infrastruktur. Zudem wirkt sich Multilokalität auf das Zusammenleben vor Ort und das bürgerschaftliche Engagement der mobilen Menschen aus.

In „TempALand“ wollen die Gemeinden unter Mitwirkung der Stadt- und Umweltplaner der Leibniz Universität Hannover präzise Werkzeuge für die Planung in diesen Bereichen entwickeln. Diese beziehen neben den allgemeinen Bevölkerungsprognosen auch unterschiedliche Ausprägungen von Multilokalität sowie unterschiedliche Typen ländlicher Räume mit ein.

Die Forschenden nutzen zunächst qualitative und quantitative Methoden, um gesicherte empirische Erkenntnisse zu erhalten. Neben statistischen Auswertungen erkunden sie in Interviews und Umfragen multilokale Lebensweisen genauer: Welche Bedürfnisse an Wohnen haben Menschen, die ihr Leben an zwei oder mehreren Orten verbringen? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Wie engagieren sie sich ehrenamtlich? Ihre Erkenntnisse stellen die Datenbasis für Auswertungen mit den Experten der Kreis- und Gemeindeverwaltungen Gemeindeverwaltungen sowie interaktiven Beteiligungsformaten mit der Zivilgesellschaft.

Im zweiten Schritt entwickeln die Projektpartner Planungslösungen für die Ausweisung von Wohnstandorten, Freizeitangeboten und Versorgungsinfrastruktur. Die Strategien dienen kommunalen Entscheidungsträgern ebenso wie Dienstleistern als Instrumente. Gebündelt und nutzbar gemacht werden sie in Form eines Online-Tools. Das Tool unterscheidet zwischen unterschiedlichen Typen ländlicher Räume und zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen von Multilokalität und deren Auswirkungen. Es macht integrierte Planungen kalkulierbar.

In einem dritten Schritt erproben die beteiligten Kommunen des Landkreises Diepholz beispielhaft das Online-Tool. Anschließend validieren es die Wissenschaftler, um es auf andere Kommunen übertragbar zu machen.