lebensWert
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Hessische Kommunen erproben ganzheitliches Entwicklungsmanagement
„lebensWert“ plant die vorausschauende Gestaltung von Wohnraum, Umfeld und technischer Infrastruktur. Die hessische Stadt Eschwege und umliegende Gemeinden erproben dafür ein ganzheitliches Managementkonzept, das Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete entwickeln. Ihr sozialökologischer Ansatz bezieht den gesamten Prozess von städtischer Entwicklung mit ein.

Erhalt der Lebensqualität
Die Stadt Eschwege stellt sich für ihren Bevölkerungswandel neu auf und geht den Weg nachhaltiger Ortsentwicklung: Wie lässt sich die Lebensqualität des Wohnraums erhalten? Wie gestalten sich dafür Infrastruktur, Wohnumfeld und Versorgungsleistungen? Diese Fragen beantwortet die Stadt gemeinsam mit Forschenden des ISOE-Institutes für sozial-ökologische Forschung Frankfurt/ Main und des Deutschen Instituts für Urbanistik in Berlin. Dabei konzentrieren sich die Partner auf die Bereiche Wohnen, Wasser und Energie und deren integrierte Entwicklung. Ihr Ansatz ist zudem ein interkommunaler. Die Projektpartner arbeiten mit den Umlandgemeinden zusammen. Schon heute stellen sich die nordhessische Kreisstadt und die Gemeinden des Werra-Meißner-Kreises gegenseitig Dienstleistungen und Versorgungsleistungen aus öffentlicher Hand zur Verfügung. Diese Kooperation wollen sie ausbauen.

Im Projekt „lebensWert“ erarbeiten die kommunalen und wissenschaftlichen Partner ein ganzheitliches Managementmodell.
Entstehen soll ein Instrumentarium, mit dem sich technische Infrastrukturen, Gebäudebestand und nicht-technische Ausstattungen auch künftig effizient betreiben lassen.

Ganzheitliches Managementkonzept
„Lebenswerte Kleinstädte im demografischen Wandel – Lebensqualität erhalten durch ein sektorenübergreifendes interkommunales Entwicklungsmanagement“ ist der vollständige Titel des Projektes. Denn über die Stadt Eschwege und ihre Umlandkommunen hinaus soll das Managementkonzept auf vergleichbare Städte anwendbar sein.

Der Ansatz von „lebensWert“ ist ein Lösungsansatz mit ganzheitlichem Anspruch. Das Managementmodell umfasst
den gesamten Prozess kommunaler Standortentwicklung. Von der Bestandsaufnahme über die Prognose bis hin zur Projektentwicklung und der Begleitung bei der Umsetzung. Damit geht das „lebensWert“-Konzept über existierende Leitfäden oder andere Instrumente zum nachhaltigen Steuern kommunalen Umbaus hinaus.

Annegret Franz und Dr. Jörg Felmeden beleuchten die Ergebnisse des Projekts lebensWert, das ein Organisationsmodell für ein Entwicklungsmanagement zur Sicherung der Daseinsvorsorge in der Region entwickelte. Besonderer Schwerpunkt war hierbei die Siedlungswasserwirtschaft.

Entwicklung als Gesamtprozess
Das Projekt verläuft in drei wesentlichen Arbeitsschritten: Ausgangsbasis sind Bestandsanalysen und Prognosen. Dazu gehören kleinräumige Prognosen von Strukturdaten wie Bevölkerungsentwicklung, Sozialstruktur, Versorgungsqualität,
Infrastruktur. Daraus erstellen die Forschenden in einem zweiten Schritt mögliche Entwicklungsbilder für Wohnbestand, Wasser- und Energieversorgung. Diese bündeln sie in dafür notwendigen Handlungsoptionen, die die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Handlungsfeldern Wohnen, Wasser und Energie in den Blick nehmen.

Im dritten Schritt erprobt Eschwege anschließend ausgewählte Maßnahmen. Parallel zum gesamten Prozess wird ein zwischen den beteiligten Kommunen abgestimmtes Organisations- und Managementmodell entwickelt. Als ganzheitliches Instrumentarium steuert es die gemeinsame Entwicklung.

Die Zusammenarbeit von Ingenieur-, Raum- und Sozialwissenschaftlern und Mitarbeitern der kommunalen Verwaltung bestimmt von Beginn an den transdisziplinären Prozess von „lebensWert“. Zentrale Transferprodukte werden Werkzeuge des Entwicklungsmanagements und übertragbare Organisationsmodelle für Kommunen sein. Diese sollen zwischen den Kommunen abgestimmte Analyse-Tools und Organisationsmodelle umfassen, mit denen Kleinstädte und Gemeinden ihre Entwicklung sinnvoll steuern können.

Zur Übertragung des Lösungsansatzes werden die Projektergebnisse durch Vorträge, regionale und überregionale Netzwerkaktivitäten und entsprechende Medien verbreitet. Es sollen Präsentations- und Dokumentationsunterlagen für Kommunen erstellt werden, u.a. ein webbasierter Praxisleitfaden und ein Seminar für Kommunen.

Ergebnisse & Lösungen

Strategischer Austausch in den Handlungsfeldern Wohnen und Siedlungswasserwirtschaft
Zimmermann, Martin / Stein, Melina (2020)
Martin Zimmermann & Melina Stein

Der demografische Wandel stellt die kommunalen Akteure bei der langfristigen Sicherung der Lebensqualität vor große Herausforderungen. Dies gilt beispielsweise für Aufgaben der Daseinsvorsorge in den Bereichen Wohnen und Siedlungswasserwirtschaft. Ziel ist es, aufgrund sich verändernder Wohnbedarfe ein attraktives und bedarfsgerechtes Wohnungsangebot sowie angesichts abnehmender Bevölkerungszahlen eine sichere Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung zu gewährleisten.

Formen der interkommunalen Zusammenarbeit können in diesem Zusammenhang helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Ein wesentliches Augenmerk liegt dabei nicht nur auf operativen, sondern insbesondere auch auf strategischen Maßnahmen. Im Beitrag werden die Möglichkeiten des strategischen Austauschs vorgestellt, die im Werra-Meißner-Kreis in Hessen im Projekt LebensWert in den Handlungsfeldern Wohnen und Wasser erprobt und untersucht wurden.

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Wie Kommunen, Zivilgesellschaft und intermediäre Akteure durch Kooperation und Co-Produktion die Lebensqualität vor Ort verbessern können
Deffner, Jutta / Stein, Melina (2020)

Im Alltag der Bewohner*innen ist der Nahraum der Bereich, in dem verschiedene Angebote und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge genutzt werden und somit die Lebensqualität stark beeinflusst wird. Gleichzeitig ist alles, was das nahräumliche Lebensumfeld ausmacht, weder sektoral als Handlungsfeld in der kommunalen Daseinsvorsorge verankert, noch handelt es sich um Aufgaben, die die Kommunen allein gestalten und beeinflussen können, wie z. B. die Entwicklung der nahräumlichen Versorgung oder der Nahmobilität. Hier sind auch Unternehmen, Vereine und Zivilgesellschaft involviert. Zusammen mit diesen Akteuren müssen die Kommunen neue Kooperationsformen entwickeln, um Möglichkeiten zu schaffen, die Daseinsvorsorge im Nahraum angesichts demografischer Veränderungen aufrecht zu erhalten.

In dem Beitrag werden die Kooperationsmöglichkeiten, die im Projekt LebensWert zu Nahmobilität und nahräumlicher Versorgung untersucht wurden, vorgestellt und die Erfahrungen bewertet.

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Formen interkommunaler Kooperation
Riechel, Robert / Trapp, Jan Hendrik (2020)

Eine funktionierende Daseinsvorsorge als Kernaufgabe der Kommunen sichert Lebensqualität vor Ort. Um Daseinsvorsorge unter Bedingungen des demografischen Wandels zu gewährleisten, sind immer häufiger Lösungen notwendig, die Politikfelder und administrative Grenzen überwinden – der interkommunalen Kooperation kommt damit eine große Bedeutung zu.
Gerade in kleinen Städten und Gemeinden in ländlichen Räumen kann die interkommunale Kooperation Akteure entlasten und Freiräume für den Blick auf strategische Zukunftsfragen schaffen. Interkommunale Kooperation kann ein Weg sein, die kommunale Eigenständigkeit und lokale Identitäten zu wahren und zugleich Daseinsvorsorge und Lebensqualität zu sichern.

Im Projekt LebensWert wurde ein Modell für ein regionales Entwicklungsmanagement zur Sicherung der Daseinsvorsorge erarbeitet, das sowohl die organisatorische Struktur als auch das Management der interkommunalen Zusammenarbeit auf prozessualer Ebene beinhaltet. Zentral war dabei, die Aktivitäten strategisch und langfristig auszurichten, Handlungsfelder und deren Akteure miteinander in Bezug zu setzen und zu verknüpfen sowie dauerhaft tragfähige Strukturen zu schaffen.

Der Ansatz unterscheidet sich von eher sektoral orientierten Zugängen einerseits und auf Gemeindetypologien abgestellte Förderlogiken andererseits. Für eine ausführliche Darstellung sind die Ergebnisse in einem Leitfaden für Städte und Gemeinden in ländlichen Regionen aufbereitet worden.

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Ein Leitfaden für Kommunen in ländlich geprägten Regionen
Trapp, Jan Hendrik / Hanke, Stefanie / Riechel, Robert / Deffner, Jutta / Zimmermann, Martin / Stein, Melina / Felmeden, Jörg / Franz, Annegret (2019)
Lebensqualität und Daseinsvorsorge durch interkommunale Kooperation

Der Leitfaden bietet Kommunen eine umfassende Orientierung, wie bestehende interkommunale Kooperationen vertieft, gestärkt und verstetigt werden können. Er zeigt Möglichkeiten auf, wie eine räumlich integrierte, handlungsfeldübergreifende kommunale Zusammenarbeit strukturiert und umgesetzt werden kann, indem organisatorische Strukturen etabliert und in einem sektorenübergreifenden Managementansatz auf regionaler Ebene weiterentwickelt werden können.

Neben dieser „strategischen Klammer“ erhalten Verantwortliche in Kommunen konkrete Anregungen und Hilfestellungen, wenn es zum Beispiel darum geht, Lösungen für Leerstandsimmobilien zu finden oder das Wohnungsangebot einer Kommune alters- und einkommensgerecht zu gestalten bzw. energetische Sanierungen im Wohnbereich umzusetzen.

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weitere Publikationen

Zimmermann, Martin / Trapp, Jan Hendrik / Felmeden, Jörg: Wie geht zukunftsfähige Daseinsvorsorge auf dem Land?, 2019
Wenke-Thiem, Sybille / Neugart, Melanie: Lebensqualität im ländlichen Raum sichern, 2019