Im Juni 2018 fand ein erster Workshop statt, der sich mit den Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kommune aus Sicht der Praxisakteure befasste. 

 

Ausgangslage
Mit der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“ verfolgt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) explizit das Ziel, die Rolle der Kommunen als Initiatoren, Partner und Adressaten von Forschung, Entwicklung und Innovation für eine nachhaltige, demografiefeste Entwicklung der Regionen in Deutschland zu stärken. Um Praxisnähe und Umsetzbarkeit der wissenschaftlichen Arbeiten und Ergebnisse zu erreichen, richtet sich „Kommunen innovativ“ nicht nur vornehmlich an Kommunen und ihre Einrichtungen, ausgegangen wird auch davon, dass innovative Lösungen und Konzepte nur dann einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten, wenn sie bei den Entscheidungsträgern und Akteuren vor Ort ankommen und dort umgesetzt werden. Dieser Anspruch einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Forschung und Kommunen stellt eine besondere Herausforderung in der Projektgenese, -durchführung und Bewertung der Ergebnisse dar.

Unter anderem sind folgende Fragen von Interesse:
- Warum beteiligen sich Kommunen an einem Forschungsvorhaben?
- Welche Rolle nimmt die Kommune ein? Was erwartet sie, was wird von ihr erwartet?
- Was wird von den Forschungspartnern erwartet? Was ist aus ihrer Perspektive erfolgreiche Forschung?
- Welche konkreten Ergebnisse sollen mit dem Forschungsvorhaben aus kommunaler und wissenschaftlicher Perspektive erzielt werden?

Der Start des Querschnittsthemas (2016)

Diskussion zum Querschnittsthema in der Auftaktveranstaltung „Kommunen innovativ“ am 11. November 2016

An dem Arbeitsforum nahmen insgesamt 12 Vorhaben teil (Bürgerfonds, Fokusland, IER-SEK, KIF, Kleinstadt gestalten, KOMET, KOSI-Lab, lebensWert, Ortsinnenentwicklung, TempALand, TransformBar, Wat Nu?). Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis ist in den geförderten Vorhaben von besonderer Bedeutung und wird von den Beteiligten als besondere Herausforderung wahrgenommen. Mit Blick auf den Titel „Kommunen und Forschung“ wurde sich darauf verständigt, dass Kommune im Rahmen von Kommunen innovativ nicht nur Verwaltung und Politik umfasst, sondern auch die Stadtgesellschaft einschließt. Das bedeutet, dass die Erwartungen einerseits und die Kooperation andererseits noch differenzierter betrachtet werden müssen. Zu klären ist dabei, ob sich das Verbundprojekt als Labor, als Parallelwelt oder als Realwelt begreift und entwickelt. Herausgestellt wurde, dass allen Vorhaben gemeinsam die Auseinandersetzung mit den Themen Soziale Innovation und bürgerschaftlichem Engagement / Ehrenamt ist.

„Was wollen und was erwarten wir voneinander?“ ist eine Frage, die von allen Beteiligten als besonders relevant diskutiert wurde. Thematisiert wurden die unterschiedlichen Erwartungen an Wissenschaft und Praxis sowie die vorhandene bzw. notwendige Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Praxis. Gemeinsam bearbeitet werden sollten folgende Fragen: wie fängt Kooperation an, was funktioniert in der Zusammenarbeit und was nicht, wie wird bzw. wie sollte mit unterschiedlichen Logiken und Zielen umgegangen werden?

Die Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft regten eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Frage nach möglichen Kommunikationsformen und ‑wegen mit den Kommunen an verknüpft mit der Reflexion, wie Wissenschaft von diesen wahrgenommen wird. Thematisiert wurde der bisher nicht gelöste Widerspruch zwischen dem in „Kommunen innovativ“ geförderten Forschungstypus und einer Forschung, die den vorhandenen Exzellenzkriterien entspricht. Diese Unvereinbarkeit beinhalte für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Risiken. Die Vertreterinnen und Vertreter der Praxis verwiesen auf die Schwierigkeit mit den zahlreichen Anfragen zur Mitwirkung der Kommunen an Forschungsvorhaben umzugehen. Als Problem wurden dabei die Unterschiede zwischen forschungsfernen und forschungsaffinen Kommunen benannt. Hervorgehoben wurde, dass nicht nur die Bedarfe der Kommunen oft andere als die der Wissenschaft seien sondern dass auch die Ressourcen fehlten. Eine besondere Herausforderung liegt für die kommunalen Akteure im Umgang mit den Ergebnissen, die in den informellen Runden erarbeitet werden. Gemeinsam reflektiert werden sollten die Erfahrungen mit dem bisher unzureichend geklärten Zusammenspiel zwischen der kommunalpolitischen Realität und den Forschungslaboren, da in den Vorhaben mit der Kommune Lösungsansätze entwickelt werden sollen, die anschließend in die Politik kommuniziert werden müssen.

Anknüpfend an die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen wurden im Weiteren Themen der konkreten Zusammenarbeit diskutiert.  Diese reicht bei „Kommunen innovativ“ von der Vision bis zur Umsetzung und umfasst Erkenntnisse, Ergebnisaufbereitung, Verwertung, Umsetzung und Transfer. Dafür gelte es eine gemeinsame Sprache zu entwickeln.

Empfehlungen zum weiteren Vorgehen
Verständigt wurde sich auf einen ersten Workshop, in dem die angerissenen Diskussionen fortgesetzt und auf der Basis der bis dahin vorliegenden Kooperationserfahrungen vertieft werden können. Im Fokus sollen zwei Themen stehen:

Thema 1: Voneinander lernen und Kooperationsschätze heben
Die beteiligten Vorhaben stellen die konkrete Kooperation zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft vor. Auf der Basis eines reflektierten Erfahrungsaustausches werden die möglichen Kooperationsformen diskutiert, bewertet und in gemeinsame Schlussfolgerungen überführt. 

Thema 2: Erwartungen klären
Wissenschaft und Praxis haben implizit genaue Vorstellungen vom jeweils anderen. Diese Erwartungen und Bilder sollen thematisiert und diskutiert werden. Schwerpunkte können dabei u.a. die Fragen nach dem Forschungsverständnis, nach dem Umgang mit unerwünschten Ergebnissen oder der jeweiligen Verantwortung für den Prozess ein.  

Beide Themen sind eng miteinander verzahnt.